
2007 Mas Foulaquier Calades
94 PP
0,75 Ltr. 17,50 €
2007 Château Bolaire
Bordeaux Superieur
0,75 Ltr. 12,50 €
Nichts vormachen lassen und sich nicht von Namen blenden lassen - das gilt insbesondere bei Weinverkostungen. Der eigene Geschmack entscheidet, ob ein Wein "gut" ist oder nicht. Niemand sonst. Wenn jemand einen Wein einfach "toll" findet: Wunderbar! Wenn er mehr Worte findet: Dann macht es noch mehr Spaß! Einen Wein lustvoll zu probieren heißt immer mit allen Sinnen genießen. Ob Ohren, Augen, Nase, Zunge oder Gaumen - ein wahrer Genussmensch kann bei Wein auf nichts verzichten. Obwohl die Kriterien für eine Degustation, also eine Weinprobe, Aussehen, Geruch und Geschmack sind, fängt die Freude am Wein schon vor dem ersten Blickkontakt an. Lässt der Wein doch bereits beim Laut des Korkenziehens aufhorchen. Und auch das sprudelnde und gluckernde Einschenken steigert bei vielen Weinfreunden ebenso die Vorfreude auf den kommenden Genuss wie das Klingen der Gläser beim Anstoßen. Entscheidend bei einer Weinverkostung ist aller dings dreierlei: das Aussehen, die "Nase" und der Geschmack.
Die Farbe ist für einen Wein ebenso charakteristisch wie sein Duft und sein Aroma. Junge Weißweine haben meist einen hellen, gelblichen Farbton. Ein zweijähriger Riesling kann beinahe farblos wirken, während ein ebenso alter Chardonnay oft einen blassgoldenen Ton hat. Je älter ein Weißwein, desto dunkler wird er. Die Farbnuancen reichen von Weiß über Grüngelb, Zitronengelb, Strohgelb, Goldgelb und Tiefgolden bis Bernstein und Braun. Bei Rotweinen reicht das Spektrum von Violett oder Purpur, Rubinrot, Ziegelrot, Granatrot, Rotbraun, Mahagonifarben, Bernsteinbraun. Die rötliche Farbe stammt übrigens von Pigmenten, die bei der Weinherstellung aus den Traubenschalen extrahiert werden. Im Gegensatz zu Weißweinen werden Rotweine mit den Jahren heller. Blickt man von oben auf das zu einem Drittel gefüllten Weinglas, so lässt sich Klarheit, Tiefe - Blässe oder Fülle - und Glanz des Weines erkennen. Die Klarheit ist hier meist ein entscheidendes Qualitätskriterium. Zum Betrachten des gesamten Farbspektrums, mit den Übergängen zwischen dem "Herzen".
Im Wein stecken mehrere hundert Aromastoffe. In Rotweinen etwa zwei- bis dreimal so viele wie in Weißweinen. Einige Aromastoffe dominieren. Um diese vorherrschenden und für einen Wein charakteristischen Töne aufzunehmen, muss der Wein zunächst geschwenkt werden. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche und die Duftstoffe lösen sich leichter. Dann wird eine "Nase" genommen, das heißt, das Glas wird an die Nase gehalten. Hier kommt es auf den richtigen Riecher an: Was für eine Frucht fällt auf? Bei Weißweinen kann das zum Beispiel Limette oder grüner Apfel sein, Grapefruit oder Pfirsich. Bei Rotweinen entfalten sich oft Kirscharomen oder Johannisbeeren, Brombeeren oder Zwetschgen. Nach Gewürzen wie Pfeffer, Zimt oder Vanille können Weine ebenso duften wie nach Paprika, Veilchen oder Rosen. Bei Bordaux-Weinen werden manchmal sogar Zigarrenkistenholz und Kaffeebohnen identifiziert. Das Bouquet eines spanischen Riojas kann aus Kirschkonfitüre und schwarzen Johannisbeeren bestehen, aus Zimt, Nelken und Butter. Die Gerüche hängen jeweils von den Rebsorten ab, von Lage und Anbau, vom Herstellungsprozess, dem Ausbau und der Lagerung. Zur Schulung des Geruchssinnes können regelmäßige Übungen den Meister machen. Bei Weinverkostungen helfen die Nasen von Freunden und eigene Notizen, Kenntnisse aus der Welt der Düfte zu vertiefen.
Letztlich kommt es beim Verkosten auf Zunge und Gaumen an. Bestätigen beide das Geruchserlebnis? Kommen Nuancen hinzu? Und: Was bleibt vom Wein, wenn er hinuntergeschluckt ist? Bei einer genaueren Geschmacksbestimmung können sechs Komponenten berücksichtigt werden: trocken oder süß, Säure, Körper, Tanningehalt, Aromen und Abgang sowie Harmonie.
Trocken oder süß ist vor allem bei Weißweinen eine einfache, aber elementare Unterscheidung. In süßen Weinen ist der Fruchtzucker aus dem Traubenmost nicht vollständig zu Alkohol vergoren. Bei trockenen Weinen da gegen wurden Fructose und Glukose in Alkohol umgewandelt. Die Übergangsstufen werden auch als "halbtrocken" auf der einen und als "lieblich" auf der anderen Seite bezeichnet. Der süße Geschmackseindruck wird übrigens von der Zungenspitze wahrgenommen.
Jeder Wein enthält Säure. Diese Weinsäure stammt aus den Trauben. Wird ein starker Säuregeschmack wahrgenommen, so liegt das bei Rotweinen oft an einem höheren Tanningehalt, während Zucker - wie in süßen Weißweinen - die Säure eher neutralisiert. Eine gute, geringe Säure lässt die Aromen stärker hervortreten und ist für einen kräftigen, vollmundigen - ja vollendeten - Geschmack ein entscheidender Faktor. Zu wenig Säure macht Weine fade oder schal, zu viel davon stechend oder hart. Die Wahrnehmung von Säure findet an den Seiten der Zunge statt.
Der Körper des Weines beschreibt die Eigenschaft, wie Weine im Mund "liegen" - manche leicht und dünn, andere dagegen schwer und massiv. Verantwortlich für diesen Eindruck ist vor allem der Alkoholgehalt. Weißweine sind daher meist leichter, Rotweine etwas schwerer. Alkohol trägt aber auch den Geschmack und die Substanz eines Weines. Zu viel davon macht den Wein schwer und wuchtig, zu wenig dünn und wässrig.
Anders als beim Weißwein, werden beim Rotwein auch Schalen, Kerne und
teilweise Stiele verarbeitet. Die darin befindlichen Gerbstoffe oder Tannine sind wichtige Strukturelemente des Weines. Sie prägen die Schmackhaftigkeit und verleihen dem Wein die nötige Würze. Ein hoher Tanningehalt - wie bei jungen Rotweinen - kann den Mund zusammenziehen und austrocknen bzw. die Zunge gerben. Zunehmendes Alter und ein höherer Alkohol- oder Säuregehalt gleichen diesen Effekt aus. Durch die konservierende Wirkung der Tannine können gute Rotweine lange gelagert werden und erhalten mit der Zeit eine weiche, geschmeidige, samtige Struktur.
Ein intensives und dichtes Aroma ist Zeichen für einen guten Wein und mitbestimmend für die Dauer der geschmacklichen Empfindung - also für einen langen Abgang. Neben fruchtigen, vegetabilen und floralen, mineralischen und würzigen Stoffen lassen sich auch andere erkennen: etwa Sandelholz bei Barbaresco oder Schokolade bei Cabernet Sauvignon. Die Ausprägung der Aromen hängt ab von der Reb- und Weinsorte, der Ausgewogenheit der Komponenten, der Temperatur des Weines und vielem mehr. Die eigene Tagesform spielt bei ihrer Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Der Beschreibung von Aromen sind keine Grenzen gesetzt. Im Chardonnay können Haselnüsse geschmeckt werden, im Shiraz Konfitüre und im Chianti classico grüne Zweige.
Harmonisch ist ein Wein, wenn Zucker, Säure, Alkoholgehalt, Frucht- und andere Geschmacksnoten, Tannine und sonstige Inhaltsstoffe sich zu einer komplexen Struktur verbinden. Bei solchen Weinen überdeckt keine Komponente eine andere. Der Wein ist ausgewogen. Ein langer, intensiver Abgang ist meist die Folge. Ein harmonischer Wein glänzt durch mehrere Phasen der Geschmacksempfindung und lässt auch nach mehreren Schlucken immer neue Nuancen erkennen. Er zeigt Feinheit, ist hintergründig und hat Tiefe.